Deepfakes (oder Deep Fakes) erkennen Sie oft an klitzekleinen Unstimmigkeiten in Mimik, Gestik, Stimme oder am (fehlenden) Kontext. Ein unnatürliches Blinzeln, metallische Sprache, fehlende Seriöse Quellen, das sind alles starke Indizien für ein Deepfake-Video. Aber Achtung: Die Technologie wird stetig besser, sodass es schwerer ist, sie zu erkennen. Am Ende hilft nur die menschliche Intuition. Wenn Sie bereits betroffen sind, sichern Sie Beweise, melden Sie den Vorfall der Betreiber-Plattform und der örtlichen Polizeiinspektion und lassen Sie rechtliche Schritte möglichst zeitnah prüfen.
Inhaltsübersicht
FAQ | Auf einen Blick
Ist das Erstellen eines Deepfakes grundsätzlich strafbar?
Das Erstellen allein ist nicht automatisch strafbar. Problematisch wird es, sobald dadurch Persönlichkeitsrechte verletzt, Personen getäuscht oder wirtschaftliche Schäden verursacht werden.
Wie melde ich einen Deepfake, der mich selbst zeigt?
Ein Deepfake, das Ihre Person darstellt, können Sie über die jeweilige Meldefunktion der betroffenen Plattform melden. Erstellen Sie Screenshots und -recordings vom Video und der URL und erstatten Sie unverzüglich Anzeige bei der Polizei, bevor der Inhalt gelöscht wird.
Kann ich Schadensersatz verlangen, wenn mein Gesicht für Werbung missbraucht wurde?
Grundsätzlich ja, da die Nutzung Ihres Bildnisses ohne Einwilligung Ihr Recht am eigenen Bild verletzt. Die Höhe und Durchsetzbarkeit hängt stark vom Einzelfall und den verantwortlichen Akteuren ab.
Was sind Deepfakes und wieso sind sie so gefährlich?
Ein Deepfake ist ein mittels Künstlicher Intelligenz erzeugtes oder verändertes Video, Bild oder Audiosignal, das eine reale Person Dinge sagen oder tun lässt, die so nie stattgefunden haben. Technisch stehen dahinter Verfahren wie Face Swapping, bei dem ein Gesicht ausgetauscht wird, Face Reenactment, bei dem Mimik und Lippenbewegung gesteuert werden, sowie Sprachsynthese, bei der eine Stimme täuschend echt nachgebildet wird. Gefährlich wird das, weil heute schon wenige Minuten Bild oder Tonmaterial einer Person ausreichen, um überzeugende Fälschungen zu erstellen. Für Unternehmen entsteht daraus ein handfestes Sicherheitsrisiko, etwa wenn eine gefälschte Stimme der Geschäftsführung eine Überweisung anordnet.
Deepfake-Betrug: Promis, Unternehmer, Verbraucher, einfach Alle?
Deepfake-Betrug betrifft längst nicht mehr nur Prominente oder Unternehmen, sondern zunehmend auch Privatpersonen, Arbeitnehmer und Geschäftsführer im Alltag. Wer weiß, worauf zu achten ist, kann sich und sein Umfeld deutlich besser schützen. Anwaltskanzlei Akgün begleitet Mandanten bei Fragen rund um Technologie, Künstliche Intelligenz und neue Medien und kennt die praktischen wie rechtlichen Herausforderungen, die mit gefälschten Inhalten einhergehen. Im Folgenden erhalten Sie eine kompakte Orientierung, die Sie direkt anwenden können.

Checkliste: So erkennen Sie Deepfakes (höchstwahrscheinlich)
Es ist grundsätzlich nicht schwierig, Deepfakes zu erkennen, allerdings wird es deshalb immer schwerer, da die Technologie fortschrittlicher wird. Außerdem gewöhnt sich unser Auge an die neuen Gestaltungsformen, sodass wir Wahres von Unwahrem nicht mehr mit hoher Genauigkeit unterscheiden können. Die folgende Tabelle zeigt, worauf Sie – je nach Medientyp – besonders achten sollten.
| Medientyp | Typische Warnsignale |
|---|---|
| Video | Unnatürliches Blinzeln, sichtbare Übergänge am Gesichtsrand, unscharfe Zähne, Mundöffnung oder Augen |
| Bild | Fehlerhafte Hände oder Finger, inkonsistente Lichtführung und Schattierung, verwaschene Details im Hintergrund und am Rand von Objekten |
| Audio | Metallisch, robotisch klingende Stimme, monotone oder überstilisierte Betonung, falsche Aussprache einzelner Wörter oder Silben |
| Kontext | Fehlendes Impressum, keine seriöse Quelle, übertriebene und unwahrscheinliche Versprechen, fremde Domains, als einziges Medium darüber berichtet |
Zusätzlich zu den obigen Infos hilft Ihnen diese kurze (und nicht vollständige) Checkliste, Deepfakes schneller ausfindig zu machen:
- Prüfen Sie, ob die Aussage zur bekannten Haltung der gezeigten Person passt und ob sie an anderer Stelle öffentlich bestätigt wurde. Der journalistische Standard hilft: Mindestens zwei Quellen, die den Inhalt bestätigen.
- Suchen Sie gezielt nach dem Originalvideo oder Originalbild, etwa über eine umgekehrte Bildersuche.
- Achten Sie auf die Quelle der Veröffentlichung und misstrauen Sie unbekannten oder neu erstellten Profilen.
- Hinterfragen Sie ungewöhnliche Handlungsaufforderungen wie dringende Geldüberweisungen oder Produktbestellungen.
- Holen Sie bei Unsicherheit eine zweite Meinung ein, bevor Sie reagieren oder handeln.

Typische Betrugsmaschen mit Deepfakes
In der Praxis zeigen sich derzeit vor allem drei wiederkehrende Muster, die zu finanziellen und in manchen Fällen sogar existenziellen Nachteilen sorgen.
CEO-Fraud oder Geschäftsführer-Betrug gegen Arbeitnehmer
Beim sogenannten CEO Fraud gibt sich ein Angreifer per gefälschter Stimme als Führungskraft aus und bringt Mitarbeitende dazu, eine Zahlung auszulösen. Die Angst vor Repressalien beim Chef scheint bei manchen Arbeitnehmern größer zu sein, als Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Sie sollten deshalb in Ihrem Unternehmen ein Safe-Word implementieren, das nur Sie und die Belegschaft kennt. Dieses Wort sollte regelmäßig gewechselt werden.
Promi Werbebetrug: Oberlandesgericht Frankfurt urteilt gegen Plattformen
Bei Promi-Werbebetrug werden bekannte Gesichter, etwa aus Medizin und Fernsehen, ungefragt für vermeintliche Wundermittel eingesetzt. Ein öffentlich bekannt gewordener Fall betrifft den Mediziner und Moderator Eckart von Hirschhausen, dessen Gesicht und Stimme wiederholt für gefälschte Werbung für Nahrungsergänzungsmittel missbraucht wurden, worauf er mittlerweile auch gerichtlich gegen Meta vorgegangen ist.
Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Beschluss vom 4. März 2025, Az. 16 W 10/25) hat Facebook in einem Eilverfahren verurteilt, sämtliche Inhalte zu sperren und zu löschen, ohne dass hierfür weitere Hinweise erforderlich sind. Interessant ist es deshalb, da bisher nur nach dem notice-and-takedown Verfahren vorgegangen wurde. Ohne URL, keine Sperrung. Nun sind die Betreiberplattformen verpflichtet (nach einem erstmaligen Hinweis) ALLE rechtswidrige Inhalte zu entfernen.
Auch im bahnbrechenden Finanzfluss-Urteil von Thomas Kehl gegen Meta urteilte das Landgericht Frankfurt am Main am 16. September 2026 (Az. 2-06 O 234/25), dass die Plattform proaktiv betrügerische Seiten und Inhalte auffinden und eliminieren muss.

Romance Scam – Machtmissbrauch und leere Versprechen
Beim Romance Scam schließlich wird mit gefälschten Videoanrufen eine persönliche Beziehung vorgetäuscht, um Vertrauen und letztlich Geld zu gewinnen. In diesem Podcast erfahren Sie mehr darüber.
Die Kanzlei steht nicht in Verbindung mit dem Podcast oder deren Inhalten. Dies dient lediglich der Information.
Allen drei Maschen gemeinsam ist, dass sie gezielt Vertrauen ausnutzen, das eigentlich an eine reale Person gebunden ist.
Sie sind betroffen? – das sind die nächsten Schritte
Wenn Sie bereits Opfer eines Deepfake Betrugs geworden sind oder vermuten, dass Ihr Bild oder Ihre Stimme missbraucht wurde, kommt es auf ein ruhiges, aber engagiertes Vorgehen an. Folgen Sie diesen Schritten:
- Sichern Sie zunächst alle Beweise durch Screenshots, Links und gegebenenfalls Zahlungsbelege, bevor Inhalte gelöscht werden könnten.
- Melden Sie den Inhalt über die Meldefunktion der betroffenen Plattform, da diese zur Entfernung rechtswidriger Inhalte verpflichtet sind.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, insbesondere wenn ein finanzieller Schaden entstanden ist.
- Kontaktieren Sie unsere Anwaltskanzlei, da möglicherweise durchsetzbare Schadensersatzansprüche entstanden sind.
- Informieren Sie betroffene Banken oder Zahlungsdienstleister, falls bereits eine Überweisung ausgelöst wurde.
- Lassen Sie frühzeitig prüfen, welche weiteren zivilrechtlichen Ansprüche gegen die verantwortlichen Personen oder Plattformen bestehen.
Gerade der letzte Punkt wird häufig unterschätzt! Viele Betroffene melden den Vorfall zwar der Plattform, verfolgen rechtliche Ansprüche jedoch gar nicht weiter, obwohl etwa bei wiederholtem Missbrauch des eigenen Bildes oder bei entstandenem Vermögensschaden durchaus Aussicht auf Erfolg bestehen kann. Für eine individuelle Einschätzung Ihrer Situation erreichen Sie die Anwaltskanzlei Akgün in Fürth (Bayern) unter info@anwaltskanzlei-akguen.de oder telefonisch unter 0911 98079785.
Rechtliche Lage für Opfer und Deepfake-Ersteller
Wer ohne Einwilligung das Gesicht oder die Stimme eines anderen Menschen per Deepfake erstellt, verletzt damit deren Rechte am eigenen Bild und macht sich unter Umständen sogar strafbar. Das gilt insbesondere dann, wenn das Deepfake dazu genutzt wird, von jemand anderem Geld zu erlangen.
Für Deepfake-Ersteller und Verbreiter bedeutet das ein erhebliches rechtliches Risiko, das von zivilrechtlichen Unterlassungsansprüchen bis zu strafrechtlicher Verfolgung reichen kann. Zudem sieht der europäische AI Act vor, dass KI-generierte Inhalte grundsätzlich als solche gekennzeichnet werden müssen. Ob und in welchem Umfang im Einzelfall Ansprüche bestehen, hängt stark von den konkreten Umständen ab und sollte individuell geprüft werden.
Wie zuverlässig sind technische Erkennungstools gegen Deepfakes
Vorneweg: Die menschliche Intuition ist das beste Erkennungstool. Wer im Internet jedem Video Glauben schenkt, wird böse Überraschungen erleben. Es ist deshalb unweigerlich, seine Medienkompetenz zu schulen und durchgehend auf dem neuesten Stand zu bleiben. Für weitere Informationen hierzu können Sie uns unverbindlich schreiben.

Natürlich gibt es mittlerweile auch automatisierte Erkennungstools, die auf Basis von Künstlicher Intelligenz trainiert wurden, um Fälschungen zu klassifizieren. Ihre Zuverlässigkeit ist bisher jedoch sehr begrenzt. Bei einem internationalen Vergleichswettbewerb erreichte selbst das beste getestete Modell im Schnitt nur eine Genauigkeit von rund 65 Prozent, während durch reines Raten bereits 50 Prozent erzielbar wären. Ein zentrales Problem ist die mangelnde Generalisierbarkeit solcher Verfahren.
Ein Tool, das auf bestimmte Fälschungsmethoden trainiert wurde, erkennt neue oder leicht veränderte Methoden häufig nicht zuverlässig. Für Privatpersonen bedeutet das, dass ein Tool-Ergebnis immer nur ein Hinweis sein kann, niemals ein endgültiger Beweis. Für Unternehmen mit hohem Risiko, etwa bei Zahlungsfreigaben, empfiehlt sich daher zusätzlich ein zweiter menschlicher Prüfschritt über einen unabhängigen Kommunikationsweg.
Unsere Anwaltskanzlei führt unabhängige Gutachten zur Einordnung durch. Hierdurch erhalten Sie eine ausführliche Prognose, ob eine Datei, ein Bild, ein Video, ein Text oder ein System ki-generiert, bzw. Deepfake ist, oder nicht. Eine Hundertprozentige Genauigkeit kann nie garantiert werden, jedoch werden verschiedene Methoden parallel zur Auswertung genutzt, um eine höhere Wahrscheinlichkeit zu erreichen.
Wie sieht die Zukunft der Deepfake-Technologie aus?
Deepfake-Betrüger werden nach allem, was heute absehbar ist, in den kommenden Jahren eher zunehmen als verschwinden, da die benötigte Technik immer zugänglicher wird. Gleichzeitig entwickeln sich auch Kennzeichnungsstandards und rechtliche Rahmenbedingungen weiter, auch wenn diese der technischen Entwicklung oft hinterherhinken. Aus unserer Erfahrung lohnt sich für Privatpersonen vor allem eine gesunde Skepsis bei ungewöhnlichen Zahlungsaufforderungen, während Unternehmen klare interne Verifizierungsprozesse etablieren sollten. Technische Tools können dabei unterstützen, ersetzen aber weder den kritischen Blick noch im Ernstfall eine rechtliche Einschätzung. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie in Ihrer konkreten Situation vorgehen sollten, sprechen Sie uns gerne an.
Ein Beitrag von
RA Ahmet-Furkan Akgün
Ahmet-Furkan Akgün ist ein selbstständiger, deutscher Rechtsanwalt, externer Dozent und juristischer Content Creator mit Kanzleisitz in Fürth (Bayern). Er gilt als moderner, digital-nativer und authentischer Jurist, der sich stark in der Legal-Tech-Szene engagiert und für die Ausbildung von Jurastudierenden und ReferendarInnen einsetzt.
Sie benötigen Unterstützung?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um allgemeine Informationen: Für den kostenfreien Erstkontakt zur Mitteilung Ihres Anliegens melden Sie sich bitte über das folgende Formular:


