Das KILT-Zertifikat (KI & Legal Tech) der Universität Göttingen vermittelt Studierenden ohne Vorkenntnisse Grundlagen zu künstlicher Intelligenz und Legal Tech. Es eignet sich für alle, die Technikverständnis aufbauen wollen, wobei KI-Ergebnisse stets kritisch geprüft werden müssen.
Inhaltsübersicht
FAQ | Auf einen Blick
Brauche ich Vorkenntnisse für das KILT-Zertifikat?
Nein, nach dem Erfahrungsbericht setzt das Zertifikat keine Vorkenntnisse voraus und richtet sich an alle Studierenden.
Kann KI einen Vertrag zuverlässig prüfen?
KI kann eine erste Orientierung geben, ersetzt aber keine rechtliche Prüfung. Auch spezialisierte Tools können erfundene oder falsche Aussagen liefern, sogenannte Halluzinationen.
Dürfen Anwälte vertrauliche Daten in KI-Tools eingeben?
Nur, wenn Verschwiegenheitspflicht und Datenschutz zuvor geklärt sind. Ob ein konkretes Tool zulässig ist, hängt vom Einzelfall ab.
Wie lässt sich KI im Jurastudium und in der Kanzlei sicher einsetzen?
Neben den üblichen Zusatzkursen wie Mediation, kommen informationstechnische Kurse im rechtswissenschaftlichen Studium häufig zu kurz. Dabei ist dies in einigen Kanzleien tägliches Handwerkszeug. Die Georg-August-Universität-Göttingen geht mit dem Kurs KI & Legal Tech einen ersten Schritt in die Richtung, KI- Modelle für Kanzleien nicht nur zu lehren, sondern auch auf ihre Effektivität hin zu überprüfen. Damit kommt kritisches Hinterfragen der jeweiligen Outputs nicht zu kurz.
Die Anwaltskanzlei Akgün in Fürth (Bayern) begleitet Mandanten bei Rechtsfragen rund um digitale Technologien. Wie vielfältig diese Risiken sind, zeigt zum Beispiel der Ratgeber zum Deepfake-Betrug und einer Checkliste zur Vorbeugung.
Was ist das KILT-Zertifikat und wer kann teilnehmen?
KILT (Abkürzung für KI & Legal Tech) ist also ein Zertifikationsstudium, welches das klassische Studium um die jeweiligen fachfremden Kenntnisse erweitert. Es richtet sich an alle Studierenden und setzt keine Vorkenntnis voraus. Für das Zertifikat braucht es Module im Umfang von mindestens 18 Credits. Zu Anmeldefristen erteilt das Prüfungsamt der Juristischen Fakultät Auskunft, per E-Mail an studieren@jura.uni-goettingen.de.

Wie ist KILT aufgebaut und welche Module gehören dazu?
Die Prüfungsleistung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der theoretische Teil umfasst zwei Multiple-Choice-Klausuren von jeweils etwa 20 Minuten, eine zu rechtlichen und eine zu informationstechnischen Grundlagen. Bei mir waren es die Kurse „Grundlagenkurs zu KI und Legal Tech in der Justiz und am Rechtsmarkt“ sowie eine Einführung in Algorithmen und KI.
Im Folgenden möchte ich etwas genauer auf meine Module eingehen.
„Der Kurs hat mir gezeigt, dass LLMs in der Rechtsberatung ein Werkzeug sind, welche Wissen und Sorgfalt voraussetzen.“
Dina Fabjanovic, Jurastudentin

Grundlagenkurs zu KI und Legal Tech in der Justiz und am Rechtsmarkt
Der Grundlagenkurs klärte mit uns zunächst neue Begriffe und behandelt die gesetzgeberische Entwicklung, besonders den AI Act, die europäische KI-Verordnung. Die Verordnung ist seit 2024 in Kraft und wird stufenweise anwendbar, erste Pflichten gelten seit Februar 2025. In der Einführung zu Algorithmen und KI erklärte man uns neben den zivil- uns strafrechtlichen Besonderheiten, wie ein Large Language Model (LLM, ein Sprachmodell wie ChatGPT) funktioniert, was Prompt Engineering ist und welche Rolle KI-Agenten künftig spielen könnten.
Einführung in Algorithmen und KI
Vorgetragen von einem beruflichen Quereinsteiger aus der Finanzverwaltung, wurde mir in dieser Vorlesung das „Innere“ eines Large Language Modells gezeigt, also ein Maschinenraum. Mich in den Maschinenraum und die neuronalen Netze einzudenken, hat wahrscheinlich am längsten gedauert. Diese Vorlesung hat also die Bereiche der Philosophie, Mathematik, Neuro- und Rechtswissenschaften miteinander verknüpft. Dadurch wurde uns sowohl das sog. Prompt Engineering erklärt, als auch der Lernmechanismus von Maschinen und schließlich auch, welche Rolle Agenten in unserem zukünftigen Einsatz künstlicher Intelligenz haben könnten.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Insbesonders wertvoll empfand ich den Kurs durch die Zusammenarbeit mit Studierenden und Dozenten aus anderen Fachgebieten. Dadurch wurde mir gezeigt, was man mit einer starken Kooperation erreichen kann. Das technische Wissen machte es möglich, neuartige Rechtsfragen zu besprechen, etwa zum Urheberrecht an einem Output oder an einem Prompt, also der Eingabe an eine KI. Ähnliche Haftungsfragen behandelt der Gastbeitrag von Masumeh zur sexuellen Belästigung durch Roboter. Eine besondere Rolle beim Urheberrecht nimmt die Frage ein, ob eine persönliche geistige Schöpfung nach § 2 Abs. 2 UrhG vorliegt, also ob ein menschlicher Schöpfungsbeitrag erkennbar ist und wer Rechteinhaber sein könnte, vgl. § 10 UrhG
Wie läuft das Praxisprojekt mit Legora ab?
Für den weitaus spannenderen praktischen Teil der Prüfungsleistung konnte man zwischen verschiedenen Kursen wählen, wie etwa KI in der Verwaltung, KI für Strafverfahren und KI in Anwaltskanzleien. Ehrlicherweise wurde in meinem Sommersemester nur der Kurs für die Anwendung von KI in Anwaltskanzleien angeboten, sodass ich keine Auswahl hatte.
Der Teil bestand aus einem Gruppenprojekt mit anschließender Vorstellung unserer Ergebnisse. Die Gruppe erhielt eine Lizenz für Legora, eine KI-Plattform für Kanzleien und Rechtsabteilungen, die Vertragsprüfung, Recherche und das Entwerfen von Dokumenten unterstützt. Aufgabe war es, einen Arbeitsvertrag zu analysieren und daraus einen neuen, konsolidierten Vertrag zu erstellen.
Legora oder ChatGPT: Wo liegen die Unterschiede?
Aus Neugier gab die Gruppe denselben Prompt zusätzlich in ChatGPT ein, um den Output beider Modelle miteinander vergleichen zu können.
Im Vergleich zu Legora ist ChatGPT als allgemeiner Chatbot für Gespräche über beliebige Themen ausgelegt. In unserem Vergleich haben wir damit wenig überraschend festgestellt, dass Legora juristisch präziser formuliert und durch Markierungen eine bessere Textarbeit ermöglicht. Negativ ist uns bei Legora der mangelhafte Faktencheck aufgefallen: Es wurde auch hier halluziniert Zum damaligen Zeitpunkt (Sommer 2025) besaß Legora die vorgefertigten Prompts auch nur auf Englisch, was allerdings mittlerweile behoben sein dürfte.
| Legora | ChatGPT |
|---|---|
| Plattform für Kanzleien und Rechtsabteilungen | Allgemeiner Chatbot für beliebige Themen |
| Juristisch präzisere Formulierungen | Weniger fachspezifische Formulierungen |
| Markierungen erleichtern die Textarbeit | Keine vergleichbare Textarbeit mit Markierungen im Test |
| Halluzinationen trotzdem aufgefallen | Ebenfalls anfällig für erfundene Aussagen |
Welche Risiken hat KI bei der Vertragsanalyse?
Wie ich oben bereits anklingen lassen habe, bleiben Halluzinationen, also erfundene oder falsche Aussagen, weiterhin das größte Risiko. Ein weiteres Risiko betrifft das Thema: Vertrauliche Daten. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte unterliegen der Verschwiegenheitspflicht nach § 43a Abs. 2 BRAO, und Arbeitsverträge enthalten personenbezogene Daten, deren Eingabe in ein KI-Tool datenschutzrechtlich geklärt sein muss.
Auch für Privatpersonen gilt Vorsicht bei sensiblen Dokumenten. Wie schnell Aufnahmen und Daten in falsche Hände geraten können, zeigt der Beitrag zu Meta Glasses und heimlichen Aufnahmen. Eine Fehlentscheidung auf Basis eines KI-Ergebnisses kann teuer werden, etwa durch eine übersehene unwirksame Klausel.
Für wen lohnt sich das Zertifikat und was könnte besser werden?
Das Angebot passt zu Jura-Studierenden, die über das Gesetz hinaus Technikverständnis aufbauen wollen. Auch für andere Fächer kann es interessant sein. Referendare, Anwälte und Geschäftsführer begegnen ähnlichen Fragen im Berufsalltag, und Kreative sowie Softwareersteller profitieren von den Grundlagen zu Urheber- und KI-Recht. Für Hochschulen lohnt der Blick auf solche Zertifikationsstudiengänge: Das ermöglicht den Studierenden, erste themenspezifische Schwerpunkte zu setzen. Vergleichbare Zertifikate gibt es bereits an anderen Standorten, zum Beispiel an den Universitäten in München und Köln. Eine Einführung an weiteren Universitäten würde den Weg in die Praxis erleichtern und ein innigeres Verständnis für den sichereren Umgang mit künstlicher Intelligenz näherbringen.
Kurz gefasst: Was KILT leistet und wohin sich KI im Recht entwickelt
Schlussendlich habe ich die Module als sehr informativ und abwechslungsreich empfunden. Der Kurs hat mir gezeigt, dass LLMs in der Rechtsberatung ein Werkzeug starkes sind, die jedoch enormes Wissen und große Sorgfalt voraussetzen. Mit längeren Verträgen und einem gesteigerten Prompting-Training könnte der Kurs – an dessen Ende ein Zertifikat steht – die Studierenden noch stärker auf den Berufsalltag vorbereiten. Ich würde mich freuen, wenn solche Angebote künftig vermehrt in Universitäten, gerade auch für die rechtswissenschaftlichen Studiengänge, angeboten werden.
Wer einen konkreten Vertrag prüfen lassen möchte, sollte sich nicht allein auf ein KI-Ergebnis verlassen. Eine individuelle Beratung, etwa über die Anwaltskanzlei Akgün in Fürth (Bayern) (info@anwaltskanzlei-akguen.de oder 0911 98079785), bietet Ihnen abschließende Sicherheit über Ihre Rechtsfragen.
Gastautorin
Dina Fabjanovic
Dina studiert Jura an der Georg-August Universität in Göttingen und erwarb das Zusatzzertifikat KI & Legal Tech (KILT) mit ausgezeichneter Note. Sie interessiert sich für die Rechtsgebiete Medien- und Wettbewerbsrecht und zielt für Ihren Schwerpunkt auf den erstgenannten Bereich ab.
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